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Auf diesen Seiten berichten wir von spannenden Begegnungen, interessanten Interviews und unterhaltsamen Themen rund um unseren Produktionsalltag.

Von Kehllappen, Unisextoiletten und Fishismen


Die US-Serie "Ally McBeal" hat einige Spuren hinterlassen und viele Nachfolger gefunden. Sie als "Mutter aller Anwaltsserien" zu bezeichnen führt zwar zu weit; dennoch fußen etliche Drehbuchkonzepte, Figurenzeichnungen und Dialoge auf dem Konzept, dass ab 1997 den 5 Staffeln aus der Anwaltskanzlei "Fish & Cage" zu Grunde lag.
"Ally McBeal" war schnell, wendig, humorvoll, skurril. Irrwitzige Einfälle wechselten sich mit sentimentalen Momenten ab. Harte Gerichtsverhandlungen wurden durch Tagträume unterbrochen, Mobbing in der Kanzlei mit Musik akzentuiert. Es gab unzählige böse Charaktere und ebenso viele zweifelhafte. Kurzum - die Serie war eine Wucht.
Bis zum Ende der vierten Staffel. Dann begannen die Wiederholungen, es wurde seichter und am Ende tauchte auch noch Jon Bon Jovi auf. Gute Nacht!
Die Erinnerung sollte jedoch positiv bleiben.

Ally McBeal - Serienstart 1997

Indy 500

Wer das legendäre Autorennnen auf dem Indianapolis Motor Speedway fahren will, braucht vor allem eines: Ausdauer. 200 Runden insgesamt - das sind 500 Meilen oder 805 km. Während die ersten Fahrer im Gründungsjahr 1911 noch über 6 1/2 Stunden unterwegs waren, benötigen die Rennpiloten heutzutage mitunter gerade 3 Stunden. Bis in die 80er Jahre blieben die "Indy 500" übrigens nahezu eine rein US-amerikanische Angelegenheit, wenn es um die vorderen Plätze ging; auch in den Jahren, als der blutjunge David Letterman zu den Boxenreportern gehörte, um vom großen Rennen seiner Heimatstadt für das Network ABC zu berichten.

Vergleicht man die "Indy 500" mit der Karriere Lettermans, so fallen durchaus Gleichnisse in Bezug auf Ausdauer und Tradition auf. Der Marathon für die Fahrer, die hohe Konzentration, Wachheit und Bereitschaft, über die Grenzen zu gehen - alles Eigenschaften, die man Letterman zuschreiben kann. Immerhin hat der Mann über 4000 Sendungen in 33 Jahren gewuppt.
Ohne Zweifel - der Mann hatte Grip.


David Letterman wird 70

Quarterlife crisis

Psychologen können vieles. Vor allem Dingen einen Namen geben.
Da scheinbar immer mehr Endzwanziger in eine Sinnkrise schlittern und auf der Suche nach der Zukunft, nach Beruf, Familie, Kindern, Absicherung, Hobby und Freunden sich in einer Sackgasse wähnen, bekam das Kind einen Namen.
Man(n) hadert, man überlegt, man hat das Gefühl, Gelegenheiten zu verpassen, sich nicht entscheiden zu können. Am Ende verpasst man die Gelegenheit, weil man sich nicht entscheidet.
Es ist wahrscheinlich nicht sehr schwierig, zu erraten, dass ein solcher Begriff aus den USA kommt. Die Szene der Psychologen ist dort besonders aktiv und mit Freude dabei, solchen Phänomenen einen Namen zu geben.

Diese "Quarterlife crisis" hat den Helden des Film "Verliebt in Amsterdam" voll erwischt. Hauptdarsteller Vladimir Burlakov kann dies nachvollziehen, ist er doch mit gerade 30 Jahren Teil dieser Generation. Er wusste also, was er dort spielen sollte. Er weiß aber auch, dass er selber keineswegs in einer solchen Krise steckt. Zum Glück.


"Verliebt in Amsterdam", 28. April 2017, 20.15 Uhr im Ersten

the Tinky Winky-Controversy

Reverend Jerry Falwell, ein religiöser Fundamentalist aus den USA, bekam Schnappatmung, als er Ende der Neunzigerjahre die Kinderfigur Tinky Winky entdeckte. Lila, mit roter Damenhandtasche und einem Dreieck auf dem Kopf, welches der Baptistenprediger umgehend als "gay pride"-Symbol erkannte. Na, der Mann kannte sich offenbar aus.

Doch nicht nur der Reverend prophezeite das Ende der Welt. Die frühere polnische Erziehungsministerin Ewa Sowinska wollte eine Expertise einholen, ob sich dieser schrökliche Verdacht gegen Tinky Winky erhärten ließe. Das Ergebnis war ernüchternd. Es gab lediglich Hohn und Spott für Frau Ewa.

"Hinter den Bergen und keinem bekannt" lag das Teletubbie-Land. Dort konnten die vier Helden Tinky Winky, Dipsy, Laa Laa und Po weiter ungetrübt und quietschvergnügt über die grünen Hügel hüpfen und tanzen.

Teletubbies ab März 1997 im BBC, ab März 1999 im KiKa

Norddeutsche Deerns

"Nord bei Nordwest" hat sich als Filmreihe im Ersten etabliert.
Könnte man meinen - wenn nicht erst zwei Folgen ausgestrahlt worden wären. Da kann man eigentlich noch nicht von einer Reihe sprechen. Doch in Kürze wird es zwei weitere Filme geben, der fünfte ist bereits abgedreht, der sechste in Vorbereitung.
Warum diese Details? Weil es für Schauspieler auch mal schön ist, wenn sie das Gefühl haben, dass sich etwas solides entwickelt. Üblicherweise wird bei den Verantwortlichen der Sender zunächst geschaut, ob ein Pilotfilm ausreichend Zuschauerinteresse weckt. Erst danach wird entschieden: Daumen rauf oder Daumen runter.
Für Hinnerk Schönemann, Marleen Lohse und Henny Reents ging der Daumen eindeutig nach oben. Die drei waschechten Norddeutschen spielen waschechte Norddeutsche im fiktiven Ostsee-Ort Schwanitz. Schönemann stammt aus Rostock, Henny Reents aus Wittmund, Marleen Lohse aus Soltau und der Reporter aus Bremen. Wie gut, dass wir nicht platt gesprochen haben.

Marleen Lohse im Interview

Blau ist das neue Rot

Schauen Sie sich doch mal die Tourismusseite von Lüneburg an.
Man könnte meinen, dass die ersten Zeugnisse menschlicher Anwesenheit im Umfeld der späteren Hansestadt nicht etwa aus der Zeit der Neandertaler stammen, wie die zufällig beim Autobahnausbau ausgebuddelten sagenumwobenen 58 Faustkeile. Es müssen Rosen sein, die das Fundament für den Ruhm der Stadt seit jeher bilden. Immerhin führen, wenn auch recht fragile und Lüneburg ferne, Spuren erster Rosen in die Zeit vor knapp 60 Millionen Jahren. Da die ARD-Soap "Rote Rosen" mittlerweile auch schon mehr als 10 Jahre im Ersten läuft kann man also im Gesamtzusammenhang von großer Verlässlichkeit sprechen.
Bewährt hat sich auch der regelmäßige Wechsel der Hauptdarstellerin - im Seriensprech "Hauptrose" genannt. Beim Pressegespräch schimmert Patricia Schäfer, die ab April übernimmt, noch in blau; in den 200 Folgen wird sie wieder rot tragen. Mit Sicherheit! Das passt dann auch zur Tourismusseite.


Patricia Schäfer spielt Helen Fries in "Rote Rosen"

Reine Vernunft

Der Beruf Schauspieler ist mit Sicherheit für viele Menschen ein Traumberuf. Enorme Popularität, viel Geld, schöne Drehorte, Kleidung und Kostüme, interessante Kollegen, berühmte Regisseure - es ist kaum zu fassen. Wäre es denn immer so.
Ist es aber nicht. Das hat sich mittlerweile auch herumgesprochen. Rollen werden knapp, Drehtage noch knapper, Castings werden schwieriger, die Perspektiven schmaler.
Dennoch spuckt das deutsche Fernsehen Jahr um Jahr verlässlich ehemalige daily-, soap- und reality-Darsteller auf den Markt, die nicht mehr gebraucht werden. Wo sind sie hin, diese ganzen ix und ypsilons, diese no und names? Kellner, Taxifahrer oder Immobilienmakler?
Die Branche scheint also ein bisschen näher dran an der nicht immer angenehmen Realität der bundesdeutschen Arbeitswelt. So ist es nur umso klüger, sich darauf frühzeitig einzustellen.
Wie diese junge Frau aus München. In diesem Moment 24 Jahre alt und auf einem ziemlich steilen Weg nach Oben im deutschen Schauspiel-Kosmos, ist Alicia von Rittberg  fest entschlossen, ihr Studium zum Bachelor-Abschluss zu bringen. Es fehlt die Zeit, die Drehbücher und Angebote locken, die Abschlussarbeit will geschrieben werden. Sie will standhaft bleiben.
Wünschen wir ihr, dass es klappt. Wäre vernünftig!


Interview mit Alicia von Rittberg



Wunderwuzzi

"Satire ist nicht der Feind der heilen Welt - sondern die Forderung danach."

Ein schöner Satz von Werner Schneyder, dem 1,96 Meter Hünen aus Graz. Seine Statur hätte allemal ausgereicht, um Gegner im Boxring das Fürchten zu lehren. Stattdessen saß der Mann jedoch viele Jahre außerhalb des Rings, um für Millionen Zuschauer die Kämpfe zu kommentieren. Zum Glück - so kamen alle in den Genuss der klugen Beobachtung und der feinen Ironie, welches Sportreportern sonst so entsetzlich fremd ist. Boxkommentator war allerdings nur eine Facette Schneyders. Der anderen Hälfte der Menschheit ist er als Kabarettist bekannt, lange Jahre treu an der Seite Dieter Hildebrandts. Alle weiteren Tätigkeiten Schneyders aufzuzählen würde hier jedoch ein bisschen weit führen. Schließlich ist der Mann ein "Wunderwuzzi", wie die Österreicher es sagen.
Ein schönes Wort!

Werner Schneyder wird 80 Jahre alt; Januar 2017

Die Methode Reinecker

Man nannte ihn den "Meister des verbalen Echos".
Beispiel? Bitte:

Sie: "Nachts wach geworden...ganz gegen seine Gewohnheit."
Er: "Ganz gegen seine Gewohnheit?"
Sie: "Ja. Wir haben kaum geschlafen."
Er: "Sie haben kaum geschlafen?"
Sie: "Ja. Wir wurden gestört."
Er: "Sie wurden gestört?"

Ein solcher Nonsens-Dialog findet sich tatsächlich in einer der 281 Folgen von "Derrick" - Reineckers erfolgreichster Fernseharbeit, die mit dem Satz" Herr Derrick, kann ich einen Moment den Wagen?" ohnehin in die Fernsehgeschichte einging.
So ließ sich im ZDF Sendezeit füllen. Diese ganz eigene Form der Drehbuch-Kunst fand bereits zuvor in der zweiten Erfolgs-Serie Reineckers statt: "Der Kommissar". Ebenfalls ZDF.
Und Spuren dieser Echos finden sich auch in "Sisko". Ebenfalls Zzz...  Sie ahnen es.

Weitaus spannender ist die Lebensgeschichte Herbert Reineckers, die kräftige Brauntöne aufweist.
Erste Erfolge feierte er in der Nazizeit mit abenteuerlichen Propaganda-Filmen. Eine Karriere unter dem Hakenkreuz, die Reinecker nie geleugnet und die ihm nie geschadet hat.


Portrait Herbert Reinecker

Die Peitsch aus Zeitz

Zeitz in Sachsen-Anhalt - eine Kleinstadt irgendwo im Dreieck zwischen Leipzig, Chemnitz und Erfurt. Kein klassischer Ausgangspunkt für eine erfolgreiche Fernseh- und Bühnenkarriere - auch nicht für Monika Peitsch.
Dem frühen Umzug nach Berlin folgten die ersten Statistenrollen am Hebbel-Theater - neben der Ausbildung zur Zahnarzthelferin. Auch mal was solides! Schließlich kam ihr "Entdecker", wie die 1936 geborene den Regisseur und Schauspieler Erik Ode bezeichnet. Der kleine Mann mit der großen Ruhe förderte die junge Frau und brachte sie auf den Weg zu einer der beliebtesten und bekanntesten Fernseh- und Boulevardtheatergesichter Deutschlands. Glückwunsch zum 80ten.


Monika Peitsch in "Der Kommissar" (neben Günther Schramm)

Die märchenhafte Kraft der zwei Herzen

Als im Jahre 1772 Anna Amalia von Sachsen-Anhalt zur Erziehung ihrer beiden Söhne Unterstützung benötigte, berief die verwitwete Herzogin den Dichter, Lehrer und Schriftsteller Christoph Martin Wieland nach Weimar.
Wieland, eher ein Freund der Aufklärung weniger des Absolutismus, erhörte den Ruf der Adelsdame. Nicht zuletzt, weil ihn die Aufgabe reizte, durch seine Erziehung den zukünftigen Adel beeinflussen zu können. Zudem bekam er Zutritt zum Weimarer Kreis, einem HotSpot der damaligen Dichter- und Denker-Szene. Goethe und so – Sie wissen schon…
Diese neue kommode Lebenssituation inspirierte Wieland zu allerlei poetischen Geschichten. Märchenhafte Wesen tummeln sich darin, vereint mit der Natur, tugendhaft, genügsam und liebevoll. Eine Idylle, die sich immer wieder durch Hexen, Magier, Zauberer oder böse Königinnen bedroht sieht, doch mit der Kraft der reinen Herzen und dem Glauben an die Liebe bewahrt werden kann.


Gespickt mit all diesen klassischen Komponenten ist denn auch die hochromantische Geschichte von „Prinz Himmelblau und Fee Lupine“ aus Wielands Sammlung der „auserlesenen Feen- und Geistermärchen“.  Eine lupenreine „boy meets girl“-Story, die vor über 200 Jahren genauso funktionierte wie heute.

Ruby O. Fee zu Weihnachten 2016 im Ersten - "Prinz Himmelblau und Fee Lupine"

Erinnerungen ans Kreiswehrersatzamt

Juristisch bestehen keine Zweifel, dass für den Angeklagten Lars Koch das Urteil "schuldig" lauten muss. In der Ferdinand von Schirach-Verfilmung "Terror - Ihr Urteil" spielt Florian David Fitz den Bundeswehr-Piloten, der sich verantworten muss, ein Flugzeug abgeschossen und so den Tod von 164 Menschen verursacht zu haben.
Die Entscheidung, die er allein treffen musste, lautete: entweder der Abschuss des Flugzeugs und der Tod der Passagiere - oder die von Terroristen entführte Maschine in ein vollbesetztes Fußballstadion abstürzen zu lassen.
Etwas ältere männliche Fernsehzuschauer werden sich mit Grauen an ihre Verhandlungen in den Kreiswehrersatzämtern der Republik erinnern, als ihnen von dreiköpfigen Ausschüssen schneidende Fragen ähnlichen zweifelhaften Charakters gestellt wurden. Beispiel: Zwei vollbesetzte Züge rollen aufeinander zu, nur Sie an der Weiche können den Aufprall und den Tod aller vermeiden, nehmen aber in Kauf, dass einer dieser Züge in einen Abgrund stürzt. Was tun Sie?
Diesen Unsinn konnte niemand beantworten. Diesen Unsinn sollte auch niemand beantworten. Damals ging es schlicht um die Quote an Wehrdienst- oder Zivildienstleistenden.

In der mit Burghard Klaußner, Martina Gedeck, Jördis Triebel, Ulrich Bock, Lars Eidinger und eben Fitz hervorragend besetzten TV-Produktion geht es darüberhinaus um die Fragen von Recht und Moral - und so ganz nebenbei auch um ein Fernsehspektakel mit anschließender Möglichkeit des Online-Votings und der Auflösung in "hart aber fair".
Einen solchen Entscheidungsprozess hätten sich die Kriegsdienstverweigerer jener Tage auch gewünscht, als es "hart und nicht fair" zuging.


Florian David Fitz über "Terror - Ihr Urteil" - Montag 17. Oktober 2016

Die Zukunft der Arbeit

Die Zukunft unserer Arbeit ist zweifelsohne mit Schlagworten wie Digitalisierung und Globalisierung verbunden. Kein Wunder, dass sich die Themenwoche der ARD im Fernsehen, Hörfunk und Online im Wesentlichen mit diesen Aspekten beschäftigt, so gleich zu Beginn mit dem Radio Bremen-Tatort "Echolot".

Wesentlich für die meisten Menschen ist in Zukunft jedoch, überhaupt eine Arbeit zu haben. Durch die Umwälzungen in der Gesellschaft, befeuert durch allerlei digitalisierte Unterstützung, hat sich die Arbeitswelt elementar verändert. Dass sich diese Veränderungen negativ auf die Beschäftigten landauf landab auswirken, dass Arbeitsplätze abgebaut werden, Regionen ausbluten und ganze Industrie- und Handelszweige aussterben liegt ja nicht im Wesenskern einer Digitalisierung.
Die negativen Auswirkungen  sind wohl eher im Wesenskern derjenigen zu finden, die den Profit orientierten Nutzen der zunehmenden Digitalisierung erkannt haben. Da hilft auch keine Digitalisierung der Beratung bei der Agentur für Arbeit.

Die Fragen, die mit der "Zukunft der Arbeit" verbunden sind, werden innerhalb der ARD-Themenwoche 2016 vielfältig angeschnitten. Endgültig beantworten lassen sich die meisten Fragen mit Sicherheit erst in der Zukunft. Doch wie heißt es so schön: "Die Zukunft hat schon längst begonnen".

Sabine Postel, Oliver Mommsen - Tatort "Echolot", Sonntag 30. Okt. 2016

Sonne über Rio

Dass an einem Tag wie heute, wenn in Rio de Janeiro die 31. Olympischen Spiele der Neuzeit eröffnet werden, in erster Linie der Sport im Vordergrund steht, ist zwangsläufig. Zeitungen, Radio- und Fernsehprogramme ebenso wie Internet-Portale sind angefüllt mit Nachrichten und Informationen über die Aussichten der Athleten in ihren jeweiligen Sportarten auf der Jagd nach Gold, Silber und Bronze.
Gelegentlich mischen sich darunter aber auch kritische Berichte über russisches Doping, brasilianische Wirtschaftskrisen oder deutsches Sportfunktionärsgebahren.
All diese Informationen benötigen Platz in der Berichterstattung, Platz der für andere Themen fehlt und diese in den Hintergrund rücken lässt. Darunter Ereignisse, die knapp 16 Flugstunden von Rio entfernt stattfinden. Denn genau so weit wie auch Hamburg oder Bremen von Rio entfernt sind, ist auch Aleppo entfernt. Die syrische Stadt, in der der Krieg auf entsetzlichste Weise tobt. Aleppo, der Ort, an dem im selben Moment, wo in Rio Medaillen für einen 100 Meter Sprint gefeiert werden, Kinder keine Chance haben, vor Bomben und Granaten davon zu laufen.
Wenn in Rio die Schwimmer im Eiltempo durch das Wasser pflügen, durchpflügen die Menschen in Aleppo in Todesangst die Trümmer der Stadt nach trinkbarem Wasser. Wenn die Sportschützen nach fairen Regeln um die Medaillen kämpfen, werden in Aleppo Heckenschützen wehrlose Bewohner erschießen.
Das klingt drastisch. Doch die Welt ist drastisch, und obwohl wir Menschen in der Lage sind, Ereignisse auszublenden, finden sie dennoch statt.
Der Zeitpunkt einer Olympiade dauert 4 Jahre und wird durch die Spiele abgeschlossen. Exakt diese 4 Jahre dauert nun auch der Krieg in Syrien an. Seit den Spielen von London 2012 sind also weit mehr als eine Viertelmillion Menschen im syrischen Bürgerkrieg gestorben.
Die Bombardements werden nicht eingestellt werden, wenn über dem Maracana ein buntes Feuerwerk entzündet wird. Wir werden dies nicht ändern können – auch wenn es mit unserem Leben mittlerweile mehr zu tun hat, als die Spiele von Rio. Es ist letztlich unerheblich, wer wie viele Medaillen gewinnen und mit nach Hause bringen wird. Es ist viel erheblicher, dass dieses Zuhause von Menschen aufgesucht wurde und weiterhin wird, die Zuflucht vor dem Krieg suchen. Die Folgen des Krieges sind vielmehr unser Alltag geworden.

Wir sollten dies bedenken, während dieser Olympischen Spiele von Rio de Janeiro 2016. Denn es ist nicht zu erwarten, dass während der Olympischen Spiele, wenn sich die Jugend der Welt zu friedlichen Wettkämpfen trifft, die blutigen Kämpfe in Syrien ruhen. Man sollte vielmehr die Spiele ruhen lassen, bis der Krieg ruht.

Von Rosinen und Sahnehäubchen

Ein wirklich interessanter Aspekt in einem Gespräch mit einem Schauspieler über die Stationen seiner Karriere ist stets der, wenn es um die Einordnung der bisherigen Arbeit geht. Der Rückblick auf die Filme, Serien und Rollen. Francis Fulton-Smith kann in diesem Fall auf sehr reichhaltige Jahre bis zurück zum Beginn der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts blicken. Weit über 50 Filme, weitaus mehr Serienrollen, ein gutes Dutzend Kino- und Theaterrollen. Donnerwetter!
Die ARD-Serie "Familie Dr. Kleist" hat sich in seiner Biografie dabei als ein Dauerbrenner entwickelt, den er als Geschenk bezeichnet.
Warum gerade diese Serie ihm etwas bedeutet und welche Veränderungen es über die Jahre gab, wie sehr er hofft, dass sich die 6. Staffel auf dem neuen Sendeplatz am Vorabend im Ersten erfolgreich entwickeln wird und welche Filme er als Rosinen und Sahnehäubchen bezeichnet, erläuterte der Münchener im Interview mit uns.

Francis Fulton-Smith

Voll verhext

Lisa-Marie Koroll ist ein Idol! Fragen Sie mal Mädchen im Alter zwischen 5 und 15, da kommt die passende Antwort! Sie ist zwar erst 18 Jahre alt, doch seit knapp 11 Jahren in Serien und Kinofilmen zu sehen. Ihre berühmteste Rolle ist Tina Martin, die Tina aus "Bibi & Tina" der Buck-Verfilmungen. Zu verdanken hat sie diese Rolle und den damit einhergehenden Ruhm nach eigenen Worten jedoch einer anderen Rolle: Clara Höfer aus der ARD-Serie "Familie Dr. Kleist". Dort stieg sie 2004 ein - im zarten Alter von 7 Jahren.
Kein Wunder, dass sich der Berufswunsch Schauspielerin bei ihr verfestigt hat. Darüber sprach sie mit uns im Interview, ebenso über das Erwachsenwerden, Tattoos, Musik, Rebellion, Reiten und ihre Eltern. Also: über das ganze Leben.

Lisa-Marie Koroll

Arabisches Reiterfleisch

Was in der heutigen Küche längst vergessen ist, weckte im Jahr 1955 als exotisch anmutendes Gericht Fernweh: das Toast Hawaii.
Als Erfinder gilt der Fernsehkoch Clemens Wilmenrod, geboren am 24. Juli 1906.
Der Exotenhappen war ein absolut typisches Gericht des populären Fernsehkochs. Sein Kniff: er nahm Zutaten, die sich in jedem Haushalt befanden, kombinierte diese auf gewagte Weise und bediente ruckzuck die Sehsüchte der bundesdeutschen kleinbürgerlichen Gesellschaft – weit weg von Not, Elend und Kriegserinnerung.
Sein Stilmittel: bei weitem übertriebene Namenskreationen. Venezianischer Weihnachtsschmaus, Päpstliches Huhn oder das berühmte Arabische Reiterfleisch, letztendlich auch nur ein schlichtes Hackfleischgericht.

Mahlzeit zusammen!


Amerikanische Rose No. 2201

Ein recht seltenes Gewächs, vornehmlich in Manhattan anzutreffen. Ab Ende Mai 2016 aber auch in Lüneburg, wo seit über 2200 Folgen die Rosen nur so um die Wette blühen. Seit mittlerweile 10 Jahre erblüht dort zuverlässig in jedem Frühjahr eine neue Rose: Angela Roy, Janette Rauch, Sabine Vitua, Annett Kruschke, Isabel Varell, Mona Klare, Saskia Valencia, Elisabeth Lanz, Sandra Speichert, Maike Bollow, Jenny Jürgens, Anne Moll - und nun Cheryl Shepard, geboren in Manhattan.
Die durch etliche andere Serien gestählte Schauspielerin greift als Sydney Flickenschild in das Geschehen ein und hat sich, gemeinsam mit anderen neuen Darstellern, im April in Hamburg der Presse vorgestellt. Kleine Eindrücke gibt es hier:

Rote Rosen-Cast, April 2016

Interview mit Sheryl Shepard

Sackkraulen

Zugegeben: ziemlich plakative Überschrift. Möglich wäre auch Furzen oder Rülpsen gewesen.
Schließlich waren dies die Hauptbeschäftigungen von Al Bundy in den Jahren 1987 bis 1997.
Der Damenschuhverkäufer aus Chicago ging diesen Freizeitbeschäftigungen vorzugsweise auf dem heimischen Sofa nach, während im Fernsehen irgendein Football-Spiel lief, dass den Versager von seiner verpatzten Karriere träumen ließ, um im Anschluss seine Kinder oder seine Frau Peggy zu schikanieren.
Ed O´Neill, der am 12. April 1946 in Youngstown, Ohio geboren wurde (also nur wenige Autostunden von Chicago entfernt) spielte nicht nur Al Bundy - er war es. In einem Interview sagte er einmal:
"Zuerst konnte ich den Erfolg überhaupt nicht fassen. Und eine Zeit lang hatte ich einige Probleme damit, als die Leute riefen „ey, Al“ und ich dachte: ich gehe nie wieder zur Arbeit. Doch dann wurde mir klar: du bist dieser Typ, du siehst so aus wie er, also ist es wohl so."




Schwere Geburt

Sie kämpfen - Tag für Tag um neues Leben und um ihre Existenz.
Die Fähigkeiten und der Einsatz von Hebammen sind gesellschaftlich hoch anerkannt, die Dankbarkeit von Eltern nach einer glücklichen Geburt ist geradezu greifbar. Allein davon lässt sich jedoch kaum leben, geschweige die eigene Zukunft planen. Beispiel: Niedergelassene, selbstständige Hebammen kämpfen seit Jahren gegen hohe Haftpflichtprämien, die sie finanziell an den Rand des Ruins treiben.

Um es mit einem Titel der Sabine Ebert-Saga auszudrücken: "Der Traum der Hebamme" ist, jenseits existenzbedrohender Alltagssorgen dem Beruf nachgehen zu können. Nicht mehr, nicht weniger.
Allerdings führt die Erwähnung der mittelalterlichen Hebammen-Saga natürlich in die falsche Richtung. Glaubt man der fantasievollen Buchreihe "Das Geheimnis/Die Spur/Die Entscheidung/Der Fluch/Der Traum...", dann hatten Hebammen es vor Hunderten von Jahren deutlich schwerer.

Regisseur Roland Suso Richter hat aus einer der Ebertschen Hebammen-Geschichten eine dreistündige Mittelalter-Abenteuer.-Verfilmung inszeniert, die Karfreitag im Ersten zu sehen ist.
Errechneter Termin: 25. März 2016, 20.15 Uhr


Bauers Courage

Unbestechlich und couragiert – so engagierte sich der frühere Braunschweiger Landgerichtsdirektor und hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer in den 1950er und 60er Jahren bei der strafrechtlichen Verfolgung von NS-Verbrechern. Bauer kämpfte in all diesen Jahren gegen ein öffentliches Meinungsbild, eine starre Bürokratie, gut vernetzte Nazis und politischen Widerstand. Doch auch innerhalb der Justizbehörden musste Bauer auf seinem Weg Haltung zeigen und oftmals gegen Unwillen und Blockaden anrennen.

Das Wirken Fritz Bauers würdigt nun der Film „Die Akte General“, der am 24. Februar im Ersten ausgestrahlt wird. Ulrich Noethen verkörpert hierin einen Mann, der Grundlagen eines demokratischen Miteinanders vorgelebt hat. Trotz aller Unwägbarkeiten und Zweifel im Spannungsfeld zwischen Recht und Gerechtigkeit.

Das Wirken Fritz Bauers wirft jedoch auch Fragen für die heutige Zeit auf:
Wie unabhängig ist die Justiz? Wie sehr fließen politische Rahmenbedingungen in Anklagen und Urteile ein? Wie sehr stehen die juristischen Institutionen im Fokus des gesellschaftlichen Wandels? Wie wichtig ist eine aufgeklärte, unabhängige und unbestechliche Justiz in Zeiten von NSU, Rassismus, Hasskommentaren und Cybermobbing? Wie schwierig sind Prozesse zu führen, in denen es um ausgeübte Zivilcourage geht?

Die ARD-Produktion bietet nicht nur einen Einblick in die Stationen des Fritz Bauer sondern grundsätzliche Diskussionsansätze über das Verhältnis zwischen der Justiz, der Politik und den Bürgern.





Schnabel halten

Von heiter bis tödlich in Münster zu all beards and shouting in Dortmund -
Deutschlands Fernsehinstitution "Tatort" bietet eine Bandbreite, mit der man sich nicht nur Freunde macht. Dennoch sorgt diese Vielfalt Sonntag für Sonntag für ein enormes Zuschauerinteresse und ebenso viel Gesprächsstoff zwischen Werkbank und Feuilleton.
Ob man nun die Münchener oder die Kölner favorisiert, ob man es lieber handfest oder gesprächsorientiert mag ist letztlich unerheblich. Spätestens eine Woche später kommt ein neuer Fall aus einer anderen Stadt mit einem anderen Team und damit eine neue Chance.
Das macht den Reiz der "Tatort"-Reihe aus. Dieser sonntägliche Griff in die Wundertüte, dieses Probieren und Schmecken. Bislang hat sich wohl noch niemand wirklich den Magen verdorben.

Deshalb lassen wir sämtliches Gemecker beiseite, halten einfach den Schnabel und gucken den Schnabel! Peter Michael Schnabel, Kommissariatsleiter aus Dresden, Chef des neuen Teams im "Tatort"-Universum. Die ermittelnden Damen heißen Karin Gorniak und Henni Sieland und werden von Karin Hanczewski und Alwara Höfels gespielt. Den Schnabel gibt Martin Brambach, der sich in den vergangenen Jahren in Herz und Hirn von Zuschauern und Kritikern verankert hat.
Eine sehr reizvolle Zusammenstellung in einem gradlinig erzählten Fall. Soll heißen: Am Anfang ein Mord, am Ende ein Täter. So soll es sein!
Am 6. März im Ersten ab Viertel nach acht.


Martin Brambach aka Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel

Cognac für den Kommissar

Es wirkt seltsam, wenn in alten deutschen Serien rund um die Uhr geraucht und getrunken wird. Zigaretten, Pfeife, Schnaps, Bier, Kaffee und gerne mal ein Cognac. Quasi als Inbegriff von Behaglichkeit und Luxus.
In der ZDF-Kultserie "Der Kommissar" roch es in allen 97 Folgen ab 1969 nach Qualm und Sprit. Benebelt die Zeugen, benebelt die Verdächtigen, benebelt die Täter, ebenso die Ermittler. Eigentlich ein Wunder, dass sie alle am 30. Januar 1976 gesund ihren Dienst beendeten.

Die Mutter aller Freitagskrimis im ZDF hatte aber noch ganz anderes zu bieten: Mord und Totschlag, Münchener Flair, Hippies im Englischen Garten, Wohngemeinschaften in wildester Form, Studenten, die grundsätzlich bis nachmittags schliefen und allein deshalb verdächtig waren. Zwischen all diesen Fiesen und Verbrechern kämpfte das Team von Kommissar Herbert Keller meistens aufrecht, manchmal staunend. Walter, der ruhige Pfeifenraucher, Robert, des Kommissars Terrier, Harry, der nassforsche Mädchenschwarm. Ab Folge 72 fuhr Harry dann den Wagen von Oberinspektor Derrick und wurde durch seinen rehäugigen Bruder Erwin abgelöst. Stets verlässlich betreut und umsorgt von Sekretärin Rehbein - mit Kaffee und Bockwurst im Büro.
Wenn einem so viel Gutes widerfuhr - dann war die Zeit gekommen ... für einen Cognac.


Super, Wahljahr!

Korruption, Machtmissbrauch, illegale Absprachen, Betrügereien, geheime Papiere, Verbrechen - sind das die Zutaten für Wahlen in Deutschland?
Der dicke Pinselstrich, mit dem der politische Apparat gelegentlich in Serien oder Filmen gezeichnet wird, lässt dies vermuten. So ist es ansatzweise auch in der sechsteiligen Serie "Die Stadt und die Macht", die von Wahlen in Berlin erzählt, von Verstrickungen, dunklen Machenschaften, Sünden der Vergangenheit, Seilschaften, Misstrauen und den großen Dramen in engen Wahlkampfbüros bei kalter Pizza und schalen Getränken.
Im September 2016 wird in Berlin tatsächlich wieder das Abgeordnetenhaus gewählt; im Frühjahr finden in vier Bundesländern Landtagswahlen statt, zudem wählen die Hessen und die Niedersachsen auf kommunaler Ebene. Ein sog. Superwahljahr für Bürger, Politiker, Medien und den Politikbetrieb und natürlich ein astreiner Nährboden für Geschichten wie die von Regisseur Friedemann Fromm, der in seiner Kurzserie einen figurenreichen Bogen spannt und eine Frau in den Mittelpunkt stellt, die gegen viele Widerstände die Kandidatur zur Berliner Oberbürgermeisterin wagt. Großartig gespielt von Anna Loos. Während sie in ihrer Darstellung mitunter zurückgenommen wirkt, tragen andere dicker auf und sorgen so für einen formidablen Spaß an den Figuren. Allen voran Thomas Thieme als Fraktionsvorsitzender und Martin Brambach als Wahlkampfberater.
Sendetermine: 12. - 14. Januar 2016, Das Erste, jeweils 2 Folgen ab 20.15 Uhr.



Mutgeschichten

Geschichten über Mut und Courage lassen sich am besten von Kindern erzählen. Da sind die Bedenken, einem anderen Menschen zu helfen, noch gering. Der soziale Mut, Grundvoraussetzung für Zivilcourage, ist groß, die Sorge vor dem Verlust des eigenen Ansehens oder vor der Möglichkeit, sich selbst in Gefahr zu bringen steht nicht im Vordergrund, wenn der Kumpel oder die Freundin Hilfe benötigt.
Kein Wunder, dass Kinder fröhlich und unerschrocken zu Papier und Stift greifen, wenn sie gebeten werden, Bilder zu malen, die sich mit eben solchen Themen beschäftigen: Mut und Hilfe.
So auch die Klasse 2c einer Bremer Grundschule.
Vielen Dank !!










Werner Bredebusch auf der Spur faschistischer Wölfe

So reißerisch kündigte der Vorspann der DEFA James Bond-Attitüde "Das unsichtbare Visier" die Abenteuer des Top-Agenten Werner Bredebusch im Auftrag des real existierenden Sozialismus an. Hinter der Figur des Stars der DDR-Auslandsspionage steckte der Top-Schauspieler Armin Mueller-Stahl. Zwar nur für die erste Staffel - dennoch erfolgreich und populär.
Das war Ende der 70er. Mueller-Stahl war bei den DDR-Kulturoberen allerdings nicht mehr so beliebt - hatte er doch (wie andere) die Protestnote gegen die Ausweisung Wolf Biermanns unterzeichnet.
Bereits 1980 verließ er als Dorn im Auge des Systems die Republik und ging in den Westen, um dort seine Weltkarriere anzukurbeln, die ihn bis nach Hollywood brachte.
Der einzig wirklich wahre Weltstar der deutschsprachigen Schauspielszene wird am 17. Dezember 85 Jahre alt.



Der König von Münster

Seit 1997 ermittelt Leonard Lansink als Privatdetektiv Georg Wilsberg in Münster. Die Rolle hat ihm enorme Popularität gebracht und zum inoffiziellen Titel "König von Münster" verholfen. Keineswegs so mürrisch und schwergesäßig, wie Rilke ihn beschrieb, eher ein Träumer und ewiger Optimist.
Doch nun hat ihn das Fernsehen endgültig zum König gemacht; in der Märchenverfilmung ist Lansink der Vater der "Salzprinzessin". Seeehr mürrisch und schwergesäßig und des Regierens müde sucht er unter seinen drei Töchtern diejenige, die ihn am meisten liebt.
Die jüngste, man ahnt es, antwortet: "So wie das Salz", was den König geradezu einen Zacken aus der Krone bricht.
Dabei ist Salz doch so wichtig. Zum Beispiel für das Mettbrötchen, das nach diesem kurzen knappen dreiminütigen Gespräch inzwischen im Hintergrund ratzfatz verputzt wurde!


Zuckerfee und Mettbrötchen

Ein sehr gelungenes Beispiel für ungeplante Unwägbarkeiten während unserer Agenturtätigkeiten bietet dieses kleine Interview mit der Darstellerin Collien Ulmen-Fernandez, die in der ARD-Reihe "Sechs auf einen Streich" in der Verfilmung "Nussknacker und Mausekönig" (nach E.T.A. Hoffmann) die Zuckerfee mimt.
Das Gespräch fand während eines Interviewtages in Hamburg statt. Anwesend waren noch eine ganze Reihe weiterer Darsteller aus anderen Märchenverfilmungen; und natürlich ein stattliches Aufgebot an Pressekollegen und Fotografen.
Im Rücken unserer Zuckerfee ist durch das kleine Fenster zu beobachten, wie emsig das Fotoshooting eingerichtet, vorbereitet und umgebaut wird - und wie ein Kollege in Allerseelenruhe sein Mettbrötchen mampft.
Ein schöner Kontrast!




Der Pionier des Radios

Der Elektroingenieur und Erfinder Edwin Howard Armstrong (1890 - 1954) beschäftigte sich seit frühster Jugend mit Funkversuchen. Nach dem Ingenieursstudium und seiner Militärzeit forschte er dann im Auftrag der Radio Corporation of America, RCA, an der Verbesserung von Empfängern auf Basis der Amplitudenmodulation, kurz: AM.
Doch die Anfälligkeit für atmosphärische Störungen auf dem Übertragungsweg blieb das Problem, dem er nur Herr werden konnte, in dem er die Modulationsart änderte.
Seine Präsentation von UKW Radioempfang auf der Basis der Frequenzmodulation am 6. November 1935 ist die Geburtsstunde des modernen UKW-Empfangs - mittlerweile international zumeist kurz FM genannt.
Würde Armstrong, heute noch lebend, seinen guten alten UKW-Empfang verteidigen wollen? Oder mittlerweile auch gegen DAB+ eintauschen, so wie es die Unterhaltungselektronikindustrie lieber gestern als heute machen würde?


Die Mutter aller Krankenhausserien

Weißkittel-Epos, aseptische Seifenoper, eine Art Operation am offenen Kitsch-Herzen. Sascha Hehn, Gaby Dohm und Co füllten auf Basis des ewig gleichen dramaturgischen Grundgerüsts den Mikrokosmos klinischer Dauerpatienten im Banne des Professors Brinkmann, alias Klausjürgen Wussow: Die grantige Oberschwester, der fidele Pfleger, der komplexe Sohn. Und für die ordentliche Portion Glottertal-Romantik die tüchtige Florence Nightingale; pardon: Schwester Christa.
Den Zuschauern bekam die Serienvisite offenbar bestens. Sie sorgten für exorbitante Einschaltquoten und einen Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde. 70 Folgen zwischen 1985 und 1988, später noch ein Special und zwei Filme - die nie kränkelnde „Schwarzwaldklinik“ wurde ein gesundes Stück deutscher Fernsehgeschichte, das mit der Erstausstrahlung im ZDF vor 30 Jahren begann.


Heimat? Heimat!

Drei weiße Birken in deiner Heimat, die du liebst, in der die Wälder ewig singen oder rauschen und die Alpenrosen blühen, in der die Fischerin vom Bodensee das Wetterleuchten um Maria zusammen mit der Geierwally, dem Schwarzwaldmädel und der Landärztin glückselig betrachtet.....ach, ist das schön!
Spaß beiseite - "Heimat" ist ein Begriff, den so mancher zwar mit alten Heimatfilmschnulzen aus den 1950ern der letzten Jahrtausends in Verbindung bringt; doch vielmehr ist "Heimat" ein spannendes und sehr aktuelles Thema - nicht nur im Rahmen der ARD-Themenwoche vom 4. - 10. Oktober.
Wie definiere ich Heimat? Wo liegt sie? Was verbinde ich mit ihr? Ist es pc, den Begriff zu benutzen? Wie braun ist meine Heimat? Wie grün ist meine Heimat? Ist meine Heimat nur meine Heimat? Ist sie auch Heimat für andere? Welche Haltung habe ich?
Gegenüber solch aktuellen Fragen ist der Skandal in Ischl ein Witz.

So sieht es auch Natalia Wörner. Die Schauspielerin ist Patin der ARD-Themenwoche, neben Herbert Grönemeyer und Mesut Özil. Im Interview nimmt sie Stellung zu ihrer Definition von "Heimat", erläutert ihre Wurzeln und zeigt sich glücklich über die Veröffentlichung eines eigenen Buches über ihre Heimat.



Halbstark

Deutschland 1956 – im Bundestag wurde die Wehrpflicht verabschiedet, Freddy Quinn sang vom Heimweh, es roch nach Bohnerwachs und Kukident. In dieser Atmosphäre der Adenauer-Ära wurde es vielen jungen Leuten zu eng. 
Rock´n´Roll, die Musik des Aufbruchs und des Ausbruchs aus Konventionen steckte noch in den Kinderschuhen und lief, wenn überhaupt, nur nachts in ausgewählten Radiostationen. Die Rebellen jener Tage waren Kinostars und hießen James Dean, Horst Buchholz und … Karin Baal, die am 19. September 2015 75 Jahre alt wird.


Ein brauchbarer Schauspieler

Der "große Verwendbare" - so bezeichnet sich der gebürtige Danziger Wolfgang Völz. Ein Volksschauspieler, bekannt und beliebt durch seine Rollen wie Butler Johann in "Graf Yoster gibt sich Ehre" oder Mario de Monti in "Raumpatrouille". 
Seit knapp einem halben Jahrhundert ist Völz aber vor allem die Stimme von Käpt´n Blaubär....ach, Unsinn. 
Er ist es selber!
Glückwunsch zum 85. am 16. August 2015!


Träume

Träume sind ja so eine Sache für sich.
Gute Träume, schlechte Träume, erfüllte oder unerfüllte, ewige oder zerplatzte.
Ob Im Wartesaal der Träume, Solang man Träume noch leben kann, Ich leb deine Träume, Nachts in meinen Träumen, Die Zeit hält nur in Träumen an und Manchmal sterben Träume jung.
Träume wurden schon sehr oft besungen.
Oder verfilmt: Von Wenn Träume fliegen lernen, durch Die Höhle der vergessenen Träume, über Die Liebe ein Traum bis hin zu Der ganz große Traum. Nicht zu vergessen: Nightmare before Christmas.

Die Vielfalt ist also gegeben. Da wird die neue Show in der ARD gewiss nahtlos anschließen, wenn die Schweizer Sängerin Beatrice Egli am 8. August ab 20.15 Uhr claimt: "Die große Show der Träume".


Interview mit Beatrice Egli

Sail Away

...dream your dreams". Kennt jeder.
Bier, Meer, Schiff, grüne Segel. Einst vom Husumer Jung´ Hans Hartz besungen, später von Joe Cocker.
Die Bilder der stolzen Bark als Werbeikone gehören der Vergangenheit an, seit die "Alexander von Humboldt" fest vertäut im Europahafen Bremen liegt und frisch herausgeputzt als Hotelschiff mit urigen Kabinen glänzt.
Da der Liegeplatz (zumindest bis zum Frühjahr 2016 in der Bremischen Überseestadt) nicht gerade Innenstadt nahe ist; haben Bremens Tourismus-Experten einen Shuttle organisiert, der täglich von der City zur "Alex" pendelt. Und damit es unterwegs nicht etwa langweilig wird, durften wir einen Audioguide mit vielen Informationen über die Geschichte des Bieres und die erlebnisreiche Vergangenheit der "Alex" erstellen. Somit konnten wir in Kooperation unser Audio-Portfolio für diese schöne Stadt an der Weser erweitern.


Peter Siemering (BTZ), Norbert Kuntze (MediaMix), Andrea Franke (Alex) beim Knoten von Seemannsgarn.

Infos über den Shuttle und die "Alex" über www.bremen-tourismus.de und www.alex-das-schiff.de

Jeux sans frontieres

- It´s a knockout - Jogos sem fronteiras - Giochi senza frontiere - 
Spel zonder Grenzen - Juegos sin fronteras - Igre bez granica -
bei „Spiel ohne Grenzen" war Europa vereint!

Vielleicht waren es die fantasievollen Bühnenbilder und Kostüme oder die kreativen Spiele, die zwar sportlich herausfordernd, vor allem aber fern jeder inszenierten Blamage gestaltet wurden.  
Vielleicht war es aber auch die einfache und bestechende Idee, dass Nationen unterschiedlicher politischer Couleur einen friedlichen Wettstreit austragen konnten. 

Die internationale Fernsehshow lief zwischen 1965  und 1980 im deutschen Fernsehen - zumeist moderiert von Camillo Felgen und Frank Elstner. Doch irgendwann wurde die ganze Sache den produzierenden Sendern zu teuer. Der riesige Aufwand löste zunächst die leidige Quotendebatte aus, der Sendeplatz wurde verschoben, das Zuschauerinteresse ließ auch dadurch bedingt allmählich nach. Nach dem Ausstieg des deutschen Fernsehens 1980 und einigen halbherzigen Wiederbelebungsversuchen in den 90ern wurde das Konzept dann endgültig begraben.

Den meisten Menschen bleiben vor allem die Bilder auf Seifenpisten rutschender und Wassereimer schleppender Vertreter ihrer Länder und Städte in Erinnerung. Ein Heidenspaß, den man glatt vermissen könnte und an den wir uns anlässlich des 50. Jahrestages der Erstausstrahlung im deutschen Fernsehen am 26. Mai 1965 gern erinnern.


Nicht der Papa

Herbst, Christoph Maria.
Beruf: Schauspieler, nicht: Stromberg-Darsteller.
Wie er im Interview betont.
Immer wieder diese Vergleiche - die wir uns im Gespräch mit Christoph Maria Herbst zwar gespart und mitunter geschickt umkurvt haben. Dennoch schwingt diese Figur Stromberg im Nachhall einer jeden Antwort oder Frage mit. Ungewollt sieht man diesen kleinen miesen Büroterroristen vor sich während der freundlich lächelnde Herbst mit offenem Blick über die Schauspielerei, seinen neuen Film und die Dreharbeiten spricht.
So ist das nun mal. Wer eine dermaßen prägende Figur im deutschen Fernsehen abgeliefert hat, bleibt daran haften. Ekel Alfred, Dr. Brinkmann und Mutter Beimer nicken zustimmend.
Umso schöner, dass CMH aka "der Papa" in der Zwillingsverwechselungseheproblemlösungskomödie "Besser als du" zeigt, wie es anders geht und dass sein Beruf eben nicht Stromberg-Darsteller ist.

Als ob der Herbst dem Stromberg zuriefe: "Ich bin besser als du!"


Fernsehen – die Welt Daheim

Inge Meysel, vom Publikum liebevoll „Mutter der Nation“ bezeichnet, war als unverbesserliche Käthe Scholz Identifikationsfigur und Einschaltgrund des Fernsehens der 60er Jahre. In ihrer Rolle bildete die Volksschauspielerin den Alltag nicht nur ab – sie wurde Bestandteil familiärer Tagesplanung.

Inge Meysel ist ein hübsches Beispiel für die Entwicklung und Bedeutung des Fernsehens in Deutschland und dafür, wie sehr im Fernsehen abgebildete Inhalte Einfluss auf unser Verhalten haben, wie sich Figuren zu Familienmitgliedern entwickeln und ihr Rat und ihr Verhalten auf das Publikum abfärben. Es gäbe auch andere Beispiele.

Vom anfänglichen technischen Experiment und Propagandainstrument der Nazis über das Puschenkino mit Lagerfeuerromantik bis hin zur heutigen Multimediabox; trotz aller technischen Innovationen – das Fernsehen war und ist immer das Tor zur Welt und Lebensmittelpunkt. Es brachte uns ferne Länder nach Hause, ließ uns fremde Kulturformen verstehen, zeigte uns die Mondlandung, wurde stetiger Wegbegleiter und Freund im einsamen Alltag, Ratgeber, Informant, Freizeitvergnügen.
Wohnzimmer werden um das Gerät herum eingerichtet wie eh und je, die Macht über die Fernbedienung bleibt strittig. Trotz Zweitgerät, Internet und hunderter Programme.

Fernsehen – die Welt Daheim! Seit 1935 als regelmäßiges Programm. Wenn man die zwei Stunden täglich als regelmäßig bezeichnen möchte, die der Sender „Paul Nipkow“, benannt nach dem Ingenieur und technischem Vater der ersten Fernsehübertragungen, über den Berliner Funkturm anfangs zwischen 20 und 22.00 Uhr verbreitete.
Seit dem Sendestart 1935 hat sich vieles verändert. Konstante bleiben lediglich das Schimpfen über die Qualität des Programms und die wenig verlässliche Vorhersage, dass das Fernsehen längst tot sei.

Ist es aber nicht – genauso wenig wie heute vor 80 Jahren.


Fischer und sein Freund Parkinson

In seiner Reihe "37 Grad" zeigt das ZDF im Februar "Ottfried Fischer und sein Freund Parkinson".
Zwei Autorinnen haben den Volksschauspieler ein ganzes Jahr begleitet und dabei nicht nur seine letzten Drehtage für "Ottis Schlachthof" beobachtet, sondern auch den Fortschritt der heimtückischen Krankheit, die bei Fischer vor ca. 10 Jahren ausbrach und ihn nicht mehr losließ. (In all diesen Jahren konnten wir Fischer für die Sendereihe "Pfarrer Braun" begleiten und viele Interviews mit ihm führen.)
"37 Grad" ist gewiss das richtige Format, um einen Menschen zu porträtieren, bei dem der Verlauf der Krankheit alltags bestimmend wird. Journalistisch, zugleich distanziert und nahe, und empathisch, die Würde des Protagonisten bewahrend.
Womit wir zum Gegenteil kommen. Denn direkt im Anschluss plant das ZDF eine Ausgabe "Lanz" mit Ottfried Fischer als Studiogast. Fischer wird den Auftritt in der Sendung höchstwahrscheinlich als Chance bewerten, um auf seine laufende Tournee und sein Programm "Wandogo-Filosofi" aufmerksam machen zu können und auf den Moderationskärtchen wird ohnehin erwartbar stehen "großartig, dass Sie das alles noch machen" oder "ganz lanz toll, dass Sie heute hier sind". Dennoch ist zu befürchten, dass er wie ein tapsiger Zirkusbär am Nasenring durch die Talkshowmanege geführt wird.
Schade.

Puppe VIII

Die "Puppe VIII" oder "Das Deutsche Kind" war das Erfolgsmodell aus den Händen von Käthe Kruse. Das in den 50er Jahren auch als VEB-Version aus Bad Kösen unter der Bezeichnung "Puppe I/VIII" ausgelieferte Modell der legendären Puppenmacherin wies erstmals Echthaar auf und war ihrem Sohn Friedebald nachempfunden.
Neben Friedebald hatte Käthe Kruse noch sechs weitere Kinder; was bislang in der Erinnerung an ihr Leben und Wirken nicht unbedingt im Vordergrund stand. Das könnte sich nun ändern, dank des Biopics, das die ARD am 4. April ausstrahlen wird. Darin wird von ihrer Kindheit erzählt, den ärmlichen Verhältnissen, aus denen sie stammte, ihrer Begegnung mit dem Berliner Bildhauer Max Kruse, den gemeinsamen Kindern, ihrem Aufenthalt in der Künstlerkolonie auf dem Monte Verita, ihren ersten handgefertigten Puppen und dem Plagiatsprozess gegen eine Spielzeugwarenfabrik.
Ein ziemlicher Ritt durch das sehr bewegte Leben der Frau, die den meisten wahrscheinlich tatsächlich "nur" als Puppenmacherin bekannt ist und eine spannende Begegnung mit der Erschafferin so vieler Klassiker - wie eben der "Puppe VIII".


Friederike Becht übernahm die Titelrolle der "Käthe Kruse"

3hfa

Weihnachtszeit ist Märchenzeit. Basta!
Seit 2008 heißt das in der ARD "Sechs auf einen Streich" und beinhaltet konsequenterweise Neuverfilmungen klassischer Märchenstoffe. Vier an der Zahl zum Fest 2014. Einen Überblick über die neuen Filme und die bisher gedrehten erhalten Sie hier.

Qualitativ stehen diese Filme in der matrilinearen Erbfolge gewiss gleich hinter der Mutter aller Märchenverfilmungen und unangefochtenen Herrscherin der Zuschauergunst "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel", unter Experten nur kurz "3hfa" genannt.

3hfa gehört zwar nicht in die "Sechs auf einen Streich"-Sendereihe und wird es dem Wunsch der Fans nach auch nie - zu sehr verbinden sie den Film mit Darstellerin Libuse Safrankova oder der Musik des "Biene Maja"-Komponisten Karel Svoboda - verzichten muss aber niemand auf den tschechischen Klassiker. Dank punktgenauer Programmplatzierung läuft er mindestens zweiundzwanzig Mal rund um die Weihnachtszeit auf unterschiedlichen Kanälen. Das nennt man dann "außer Konkurrenz" und wird am Jahresende wahrscheinlich nur noch von "Dinner for one" getoppt.

Doch egal ob zweiundzwanzig Mal 3hfa, "Sechs auf einen Streich", sieben auf einen Streich, oder -für hartgesottene- gleich alle vierunddreißig Märchenfilme auf einen Streich (aka "die lange Märchennacht") -
wir wünschen ein frohes Fest!

"Sechse kommen durch die Welt" - Interview-Ausschnitte

Das Ende der Geduld

Manchmal ist ein gewisses Maß an Intoleranz gar nicht unangebracht.
Oder muss man Hungersnöte in Regionen tolerieren, während dort zugleich Unmengen an Geld für Waffen ausgegeben werden?
Oder Arbeitslosigkeit. Ist sie tolerabel während Gewinne und Renditen der Unternehmen steigen, die rationalisieren?
Wie ist es mit Gewalt gegen Kinder?
Ist Gewalt gegen Frauen etwa tolerabel?
Toleranz für Steuerverschwendungen während Kindergärten und andere soziale Einrichtungen schließen müssen?

"Anders als du denkst" ist der Ansatz der ARD für die Themenwoche "Toleranz" vom 15. - 21. November 2014. Einen Themenüberblick können wir an dieser Stelle nicht geben - jedoch gern auf diese Seiten verweisen.

Im Zusammenhang mit der Themenwoche konnten wir verschiedene Interviews realisieren und möchten insbesondere auf den Spielfilm "Das Ende der Geduld" am Mittwoch, 19. November, 20.15 Uhr in der ARD hinweisen. Martina Gedeck spielt die Berliner Richterin Kirsten Heisig, deren gleichnamiges Buch nach ihrem Suizid im Sommer 2010 erschien und intensiv diskutiert wurde.
Einen kurzen Ausschnitt aus dem Gespräch mit Martina Gedeck und aus dem Film möchten wir Ihnen nicht vorenthalten.


Eine zivilcouragierte Gesellschaft?


Wie viel Zivilcourage benötigt eine Gesellschaft?
Spannende Frage, bei der es gewiss auf die Sichtweise der Dinge ankommt.
Auf den sogenannten Standpunkt. Oder etwa nicht?

Tausende Hooligans kamen am letzten Oktobersonntag 2014 in Köln zusammen. Ein Sammelbecken rechter Gesinnung formierte sich zu einer Art Anti-Salafisten-Protest ("Hooligans gegen Salafisten"), nutzte dabei sattsam bekannte Parolen wie "Deutschland den Deutschen" und entrollte Transparente, auf denen u.a. "Zivilcourage für Deutschland" stand.
Ein Verständnis von "Zivilcourage" (der Begriff wird wortwörtlich gern als "Bürgermut" übersetzt), fern von sozialem Mut, Toleranz oder Respekt.

Diese demokratischen Grundwerte bilden jedoch die Basis vieler Organisationen, Vereine, Verbände und ehrenamtlich Engagierter, die im Bereich "Zivilcourage" tätig sind. Bürgerinnen und Bürger aus allen Teilen des Landes, darunter Antifaschisten aus Pirna, Hinterbliebene von Opfern aus Berlin, Pädagogen aus Magdeburg, Bildungsreferenten aus dem Saarland oder Professoren aus Tübingen, trafen sich nun im schönen Heppenheim, unweit von Frankfurt, zum zweiten Mal (nach 2012 in Bremen) zu einem bundesweiten Kongress zum Thema "Zivilcourage".
Das Ziel ist klar: eine bundesweite Vernetzung und Stärkung, um Signale zu senden, was tatsächlich hinter "Zivilcourage" steckt.


Der Vortrag von Prof. Gerd Meyer ist hier dokumentiert.
Nähere Informationen über "HoGeSa" auch bei SPON.




Zwei Gläser Weißwein

Für die meisten Menschen ist es ja normal, täglich zur Arbeit zu gehen. Mit Glück verschafft die Arbeit dabei das Gefühl von Erfüllung. Wie bei einem Tischler, der zufrieden sein Werkstück betrachtet, eine Bäckerin, die den Duft des frischen Brotes einatmet oder ein Florist, der letzte Hand an den gebundenen Strauß anlegt.
Bei Schauspielern ist das in der Regel anders. Nach einem langen Drehtag mit vielen zäh dahinfließenden Umbaupausen stehen nicht selten 2, 3 oder 4 Minuten als Ergebnis. Kurze Sequenzen, die sich nach knapp 3 Wochen Drehzeit, durch die Hände von Regie und Schnitt auf Basis des Drehbuchs, zu einem großen Ganzen fügen.
Anscheinend gibt es Ausnahmen. So jedenfalls versichert es der Cast zur ARD-Telenovela "Rote Rosen" unisono. In den Lüneburger Werkstätten entsteht jeden Tag mehr als eine Folge des Dramoletts, die dann nach relativ kurzer Lagerzeit ins Programm fließt. So kann man sich als schauspielernder Handwerker seinen Strauß, sein Brot oder seinen Tisch zufrieden betrachten.
Was das mit zwei Gläsern Weißwein zu tun hat?
Jenny Jürgens, die neue "Rose von Lüneburg" klärt auf.


Schau hin

Nichts hat sich so sehr verändert in den letzten Jahren wie das Medienverhalten von Kindern und Jugendlichen. Wahrscheinlich ändert es sich gerade in diesem Moment schon wieder.
Was gestern aktuell ist heute out.
Spannende Einblicke gibt die "Kids Verbraucher Analyse" 2014 - kurz: KVA, zu der der Bremer Medienpädagoge Markus Gerstmann vom Servicebureau Jugendinformation im Interview seine Einschätzung gab.



Dazu passt: In Kooperation mit der Initiative "Schau hin - Was dein Kind mit Medien macht" erarbeiten wir zurzeit Berichte und Hörfunkelemente zum Thema Medienverhalten. Wir beeilen uns!

Poppies

Haben wir wirklich unsere "Lektion gelernt", wie Bundespräsident Joachim Gauck es in seiner Rede während der Gedenkfeier in Lüttich sagte? Dazu einige Meldungen des Tages:

4. August 2014
Die Rheinmetall AG erwartete in diesem Jahr einen Reingewinn von 40-50 Millionen Euro durch den Bau eines Gefechtszentrums in Russland. Durch das (vorläufige?) Veto der Bundesregierung zeigt sich der Rüstungskonzern verschnupft und erwägt Klage auf Schadenersatz.
Frankreich zeigt sich insgesamt wenig bereit, bereits beschlossene Rüstungsgeschäfte zu stoppen.
Währenddessen beginnt Russland mit einem Großmanöver an der Grenze zur Ukraine.
Die Nachrichten vom Bürgerkrieg in Syrien reißen nicht ab.
Eine selbst verordnete siebenstündige Waffenruhe im Israel-Gaza-Konflikt hält in diesen Minuten an.
Keine Pause hingegen bei der Terrormiliz IS im Nordirak, die weitere Gebiete erobert.

4. August 1914
Deutsche Truppen dringen nach Belgien ein.
Großbritannien erklärt Deutschland den Krieg; damit befinden sich (außer Italien) alle europäischen Großmächte im Krieg.
Der Deutsche Reichstag stimmt geschlossen für die Gewährung von Kriegsanleihen und beschließt insgesamt 17 Kriegsgesetze.
Der Rüstungskonzern Rheinmetall fährt die Produktion hoch und erweitert die Zahl der Beschäftigten. Waren es zu Beginn des Krieges 8000 wächst die Anzahl auf 48000 bis 1918.

Gauck weiter: "Wir können nicht gleichgültig bleiben, wenn Menschenrechte missachtet werden, wenn Gewalt angedroht oder ausgeübt wird." Ein Appell. Nicht mehr, nicht weniger. Man möchte ergänzen: es braucht mehr Zivilcourage in unserer Gesellschaft, wie diese aktuelle Kolumne klug fordert.

Die Gedenkveranstaltung in Lüttich brachte einige europäische Spitzenpolitiker und Vertreter der Königshäuser zusammen. In ihren Ansprachen wurde betont, wie wichtig es sei, "aus der Geschichte zu lernen, um die Zukunft zu gestalten". Ein Satz, schon häufig despektierlich als "abgedroschen" bezeichnet, der ohne Zweifel nach wie vor Gehalt und Aktualität hat, wie weiterhin unter www.14-tagebuecher.de zu sehen.








buy one get one free

Alles ist möglich beim Weltmarktführer in Selbstbewusstsein. Wenn es nach den Amerikanern geht, dann ist der Titel fast schon im Sack. Einmal gewonnen gibt es den nächsten Sieg umsonst dazu. Das Leben ist schließlich eine einzige Shopping Mall.
Die Nation sieht sich reif für den Titel als Weltmeister. Nicht nur beim Waffenexport, bei Rüstungsausgaben oder im Ölverbrauch - nun auch im Fußball, diesem seltsamen Sport, bei dem ein Spiel höchstens zwei Eimer Popcorn dauert und der im unbedeutenden Rest der Welt so ausgesprochen beliebt sein soll. Zumindest hat dies die NSA ermittelt.
Vor allem aber muss man ganz feste dran glauben, an all dieses "yes, we can" und "a dream come true"-Zeugs. Dann klappt das schon. So wie in der Küche.



USAKochtipp: Cola Huhn

Loustau

"N´Abend allerseits!"
Die internationale Karriere des argentinischen Schiedsrichters Juan Carlos Loustau endete abrupt, nachdem Heribert Faßbender ihn anno 1990 unbarmherzig zurück in die Pampas schickte. Von dort erreichten uns leider niemals seine anmutigen Schilderungen der unendlichen Landschaft und der gigantischen Rinderherden, die saftiges Fleisch für den noch nicht veganen Teil der Weltbevölkerung liefern. Die Qualität von Nuss, Schaufel, Flanke, Hüfte oder Filet ist ebenso legendär wie die von Higuain, Agüero, di Maria und Messi. Nicht zu vergessen, wenn auch schon ein bisschen zu sehr abgehangen, Maradona - die Mutter aller T-Bone Steaks.
Doch wie sagte wohl schon Otto Rehhagel: "Du kannst am Tag nur ein Steak essen."



leicht, elastisch, zusammenklappbar

Ach, gäbe es doch so etwas auch für den Calcio!
Eine EU-Verordnung, die genauestens auflistet, wie Form, Umfang, Gewicht, Substanz, Zutaten, Risiken und Wirkungen geregelt sind. So wie die Verordnung 97/2010 für die "Pizza Napoletana", deren Wortlaut in Auszügen direkt übernommen werden könnte, wenn die einzelnen Mannschaftsteile der taktisch hervorragend geschulten Spieler Italiens beschrieben werden: "muss weich, elastisch und biegsam sein."
Allerdings: "Das Erzeugnis lässt sich leicht schneiden." Und da haben wir das Problem!
Wenn der Pirlo zu sehr wässert, der Buffon nicht cremig verläuft und der Teig zu dick ausgelegt wurde, liegt die gummiartige Scheibe zäh und träge auf dem Platz.
So ein schönes Land!


ItalienKochtipp: Spaghetti Bolognese